Er war sichtlich nervös und Ute blickte ihn leicht irritiert an. Sie wusste nicht, was sie von seinem Gehabe halten sollte und fragte sich, ob sie etwas falsch gemacht hatte. Seine Fotoecke im Keller war aufgeräumt. Sie sorgte immer dafür, dass es dort ordentlich war, denn es lag ihm viel daran und sie war froh darüber. Günther war nach seiner Frühverrentung der Fotografie verfallen und Ute gefiel es. Ein Mann braucht eben eine Aufgabe. Die erste Zeit war er unerträglich und hatte all ihre Routinen angegriffen, sie aus ihrem Gleichgewicht gebracht. Mit dem neuen Hobby änderte sich das schlagartig. Sie erhielt ihre Ruhe zurück und er eine Aufgabe; selbst jetzt im Winter, wo sie ihn nicht in den Garten abschieben konnte. 

Heute wollte er portraitieren und hatte sich penibel darauf vorbereitet. Zum Leidwesen Utes musste sie mehrere Tage lang als Testobjekt herhalten. Über Stunden von Blitzen geblendet fürchtete sie schon, ihre Augen könnten ernsthaft Schaden nehmen. Glücklicherweise würde ihr das heute aber erspart bleiben. Zwar hatte sie nachgefragt, ob er ihre Hilfe benötigen würde, obwohl sie mit Petra zum Essen verabredet war, doch Günther verneinte, was ihr ein Gefühl der Erleichterung bescherte. Warum er so nervös war, erschloss sich ihr allerdings nicht. Es war doch alles getan, alles vorbereitet, alles gut. Nun, ein wenig Aufgeregtheit wollte sie ihm zugestehen.

Sein Model, wie er Sabine aus der Nachbarschaft bedeutungsvoll nannte, hatte sich nach mehreren Gesprächen zur Verfügung gestellt – auch auf Utes Bitten hin, ihr doch den Gefallen zu tun, damit Günther nicht das Interesse verlieren würde. Für einen Moment hatte sie befürchtet, Günther würde ihr andernfalls wieder mehr Zeit widmen. Sie warf noch einen Blick auf ihn und zog ihr Hermés-Tuch zurecht, das sie von ihm zum Geburtstag bekommen hatte und das nicht echt war, was sie ihm aber nicht vorwarf. Immerhin war es ein Zeichen guten Willens, nachdem sie über Jahre immer nur Praktisches geschenkt bekam. Er war ja so pragmatisch und wie sollte sie ihm das vorwerfen. Bedächtig öffnete sie die Haustür warf ihre übliche Abschiedsformel hinter sich und ging hinaus.

Günther entspannte sich. Er war allein. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass Ute um die Häuserecke gebogen war, blickte er an sich herunter und verschwand ins Schlafzimmer. Er hatte sich eigens für den heutigen Tag ein Shirt gekauft, das er für cool hielt. Eilig zog er sein Hemd aus und sein neues Ich über, wobei sein Blick auf die Hausschuhe fiel. Die mussten auch weg. Aber nur mit Socken? Zu kalt. Er entschied sich, Sneaker anzuziehen. Sie waren fast neu, weil er sie nur selten trug. Ute mochte sie nicht, doch Ute war weg. Gleich würde Sabine vor der Tür stehen. Günther bemerkte, wie er zu schwitzen begann und wischte sich mit dem Ärmel den die sich bildenden Tropfen von der Stirn und roch dabei vorsichtshalber an seinen Achseln. Keine Gefahr. Es klingelte. 

Seine Nervosität unterdrückend und voller Bedenken, seine Hände würden feucht, ging er zu Tür und zog sie auf. Sabine stand vor ihm und blickte ihn direkt an. Mit einem »Hey« schob sie sich an ihm vorbei. »Ist Ute nicht da?« Günther hatte ihr nicht gesagt, dass Ute verabredet sein würde und verneinte. »Ah ok.« Sabine blinzelte. Hatte sie sein Shirt bemerkt? Günther überkam ein Anflug von Unsicherheit. War es ein Fehler? Mürrisch schob er den Gedanken beiseite. Freundlich bat er Sabine, ihm zu folgen und ging die Treppe hinunter in den Keller. Sabine fixierte leicht amüsiert die kahle Stelle auf seinem Kopf. »Da wären wir.« Günther zog die Tür zu seinem Studio auf und Sabine ging hinein. 

Einigermaßen interessiert betrachtete sie, was er dort aufgebaut hatte. Sie war von Ute vorgewarnt worden, dass es doch alles etwas viel sei. Das sah sie auch so, schwieg aber und nahm auf dem Hocker vor dem aufgespannten Tuch Platz, das wohl als Hintergrund dienen sollte. »Fangen wir direkt an?« Günther eilte zu seinem neuen Kompaktblitz und schaltete ihn ein. »Jaja - es geht gleich los. Ich bin gleich soweit.« Sabine drehte sich auf dem Barhocker. »Ich muss noch das Objektiv wechseln. Ich habe da nämlich eine Idee.« Günther kramte in seiner Fototasche herum, Sabine drehte sich weiter. »So - ich wär soweit. Alles klar. Ich habe einen Funkauslöser. Keine Kabel. Toll, oder?« Günther stand mit der Kamera zwei Meter vor ihr und lächelte sie an. Sabine hörte auf, sich zu drehen und grinste zurück. »Oki. Wie willst du mich?« Auf Günthers Stirn bildeten sich wieder Schweißperlen. Er hätte weniger heizen sollen. Jetzt nicht wegwischen, durchfuhr es ihn, nicht … »Kannst du die Hände auf die Knie aufstützen, dich leicht nach vorne beugen und den Kopf etwas schräg legen?« Sabine tat wie ihr geheißen und Günther schoss und schwitzte. Nach einem kritischen Blick auf das Display sah er Sabine prüfend an, sie ihn fragend. »Könntest du die Lippen leicht öffnen und deinen Kopf noch etwas neigen?« »Soll ich sie auch anfeuchten?« »Äh, wie du magst.« Sabine mochte. Und Günther schoss, während er sie von links nach rechts und zurück beschlich. »Könntest du gleich dein Shirt auf der linken Seite so leicht nach unten ziehen, bis die Schulter frei ist?« »Ich kann es auch ausziehen. Das macht mir nichts.« Günthers Augen begannen zu brennen. Verdammter Schweiß. »Aber nein, nein - nur die Schulter frei. Geht doch nur um Portrait.« »Dann nicht.« Sabine tat wie ihr geheißen und Günther schoss. Zwinkernd sah er sich das Ergebnis auf dem Display an und nickte. »Ja, ok. Ist gut so. Danke.« Sabine sah ihn verwundert an. »Fertig?« »Ja, alles im Kasten.« Günther lachte sie an und dachte über ihren Vorschlag nach, verwarf ihn aber. Ute würde es nicht wollen. »Komm’. Lass uns wieder nach oben gehen.« »Na klar.« Sabine stand auf und zog sich ihr Shirt wieder über die Schulter. Günther bemerkte, dass sie keinen BH trug. Deutlich zeichneten sich ihre Brustwarzen durch den Stoff ab. Er wollte schnell nach oben, wieder in den Flur, raus aus dem Keller. Eilig schritt er voran und Sabine folgte ihm. Oben angekommen beeilte er sich, sie zu verabschieden. »Ja, Sabine - danke nochmal. Wenn die Bilder was geworden sind, schick ich dir welche.« »Ach bestimmt.« Sabine nickte ihm ermutigend zu. »Dann geh ich mal.« Günther hielt ihr die Tür auf und Sabine verschwand in den Abend.

Mit dem Schließen der Tür ließ er sich an die Wand fallen und wischte sich endlich den Schweiß von der Stirn und aus den Augen. Er war immer noch aufgeregt und ging ins Bad. Sie hatte es ihm doch angeboten. Günther ärgerte sich und schwor, bei der nächsten Gelegenheit einfach ja zu sagen. Während er urinierte, stellte er sich Sabines Brüste vor. Offenbar waren sie fest und verfügten über ebenso feste Brustwarzen, ganz anders als bei Ute. Ihre waren nie so, heute ohnehin nicht mehr. Die Zeiten waren längst vorbei und zudem war Ute auch nie die Frau, die viel Wert auf Sex gelegt hatte. Ein wenig niedergeschlagen stand Günther auf und spülte, schloss den Toilettendeckel, wie Ute es ihm aufgetragen hatte, setzte sich darauf, riss ein paar Blätter Toilettenpapier ab und begann zu onanieren. Für die Bilder, so beschloss er, hatte er später immer noch genug Zeit. Vielleicht würde er sie auch zusammen mit Ute auswählen. Schließlich hatte sie ein Auge dafür. Das wusste er.