Cheers
Stefanie zog eine Flasche auf und füllte die Gläser. »Setz dich doch.« Johnny ließ sich ins Sofa fallen. Sie folgte ihm mit zwei Gläsern und nahm neben im Platz. »Hier. Du wirkst irgendwie angestrengt. Was wollte sie. Ok ok. Mich vermutlich nicht. Was dann?« Johnny trank einen Schluck, drehte das Glas danach zwischen den Fingern hin und her. »Sie meinte, sie möchte einen neuen Menschen und ich soll einen finden. Also ganz neu, wenn du verstehst.« Hoffend, Stefanie würde Verständnis für seine missliche Lage äußern, sah er sich an und wurde enttäuscht. »Versteh' ich. Zombies braucht kein Schwein.« Johnny starrte sie fassungslos an. »Zombies? Dann wärst du ja auch einer.« »Yepp, vermutlich. Aus Gründen. Kann ich verstehen.« »So schwer ist das doch nicht. Wir haben eine Story und die ist nichtmal gut. Zu was würde das führen? Gemeinsame Aufarbeitung vergangener Missverständnisse oder zur Bestätigung gerechtfertigter Urteile? Ich finde Marie ganz geil, sie mich nicht. Das isses einfach und es wird sich nicht ändern.« Johnny nahm noch einen Schluck Wein. »Vermutlich ist das so. Allerdings will sie auch Ella nicht. Das ist doch erstaunlich.«

Jetzt wurde Stefanie mürrisch. »Sag mal. Bist du so dumm oder tuste du nur so? Marie will Ella für sich. Sie hatte es ja ...« »Stopp. Was hatte sie. Raus mit der Sprache.« »Ach komm. Marie und ich hatten uns über dich unterhalten. Da kam es eben zur Sprache. Du weißt schon. Euer gescheitertes Abenteuer damals.« Johnny spürte, wie ihm übel wurde. Natürlich hatten sie geredet. Sie reden ja immer. »Wie schön, dass ihr so vertrauensvoll miteinander umgeht.« »Jetzt sei doch nicht gleich so angefasst. Was ist schon dabei? Manches passt, manches nicht. So what.« »Darum geht es nicht.« »Ich weiß. Es geht um dein scheiß Ego. Schon klar. Ach ja. Habt ihr gefickt oder nicht?« Johnny verdrehte die Augen. »Nein, wir haben geredet. Das sagte ich doch.« »Beruhigend.« »Was bitte beruhigt dich daran. Mich beruhigt garnichts.« »Mich beruhigt, dass der Abend so noch nicht verloren ist. Pille oder Kristalle?« Johnny starrte auf sein halbleeres Glas Wein. »Ich hatte schon Wein und hätte mich gern etwas unter Kontrolle.« »Hattest du immer oder noch nie. Kommt drauf an, wie rum man es sehen möchte.« In diesem Moment gewann Johnny die Gewissheit, dass dieser Tag kompliziert bleiben würde. »Was soll das nun wieder?« Stefanie stuppste ihn an die Schulter. »Hey. Lass los. Wir erhöhen die Temperatur und dann treiben wir es. Und komm' mir nicht mit Kontrolle. Du hast mich schon zusammengebunden, als wir drauf waren. Da hat sie dich auch nicht gestört, die fehlende Kontrolle, du Spezialist. Ach ja. Wer zuerst komisch guckt, wird ausgelacht.« »Untersteh' dich.« »Jaja. Moment.« Stefanie stand auf und ging zu ihrem Sekretär, den sie vor Jahren erstanden hatte. Sie mochte altes Mobiliar und kam an keinem Antiquitätenhändler vorbei, ohne zu stöbern. Wollte man sich den Tag nicht vollends versauen, musste man einen großen Bogen um die Suarezstraße machen. Andernfalls war man verloren. Aber das war man ja auch so.

Stefanie kramte in einer Schublade und kam mit einem Tütchen mit transparenten Kristallen zurück. »Ich dosiere. Sicher ist sicher.« Johnny zuckte mit den Schultern. Er hatte nichts dagegen. Sie feuchtete ihren Zeigefinger bewusst plakativ an und steckte ihn in die Tüte. Kristallbeklebt kam er wieder heraus. »Na komm, Johnny. Leck!« »Ey.« »Was!« »Schon gut.« Stefanie nahm sich ebenfalls ihre Dosis. Nicht, ohne auch hier ein kokettes Schauspiel abzuliefern. »Oh, Moment.« Sie stand auf und ging wieder zum Sekretär. Johnny nahm einen Schluck Wein, um den bitteren Geschmack des MDMA loszuwerden. So nett es auch war, es schmeckte widerwärtig. »Hier.« Stefanie hielt ihm eine Flasche Massageöl vor das Gesicht. »Ich mag es heute soft. Der Tag war mies und ich brauche Entspannung. Ich weiß, dass du das kannst.« Keine Neuigkeit, dachte Johnny bei sich, schwieg aber und griff wortlos nach der Flasche. »Hast du echte Beschwerden?« »Nein. Ich möchte einfach nur soft. Fang garnicht erst an, nach Auffälligkeiten zu suchen und wenn du doch welche findest, lass sie in Ruhe.« Stefanie stand auf und zog sich aus. Vor ihm stehend sah sie herunter. »Was ist?« »Was soll sein. Leg dich hin. Ich warte noch auf den Temperaturanstieg.« Sie grinste schräg und legte sich auf das Sofa. Die Veränderung in seiner Stimme hatte sie durchaus bemerkt und ihre Wahrnehmung verschob sich langsam zu ihren Gunsten. »Mach.« Johnny öffnete die Flasche und kippte etwas zuviel Öl in seine Hand. Ein paar Tropfen fielen auf ihren Rücken. Den Rest wärmte er. »Fang an. Bist du schon entspannt?« Er war es. Ok, nicht einfach nur ein belangloser Fick sondern ein wenig Luxus, ein Ausstieg auf Zeit. Johnny merkte, wie sich sein Zustand veränderte und sich die Wahrnehmung intensivierte. Ein Gefühl von Leichtigkeit stieg in ihm auf, eingefasst in Wärme. Er begann, Freude dabei zu empfinden, ihren Körper zu bearbeiten. Der Gedanke an Sex rückte in den Hintergrund. Der Kontakt selbst war es. Die Kristalle hatten vorerst gewonnen. Natürlich wusste er, dass die Situation eskalieren würde. Aber dafür war noch Zeit genug.

Cool down
Nach einer Weile ließ die Wirkung nach. Wie üblich entwich der Rausch aus ihren Körpern und Köpfen, machte einem klaren kühlen Gefühl Platz. »Wie geht es dir?« Stefanie strich durch Johnnys Gesicht. »Gut. Alles ok. Und dir?« »Sehr gut. Die Auszeit hatte ich gebraucht.« »Ich auch. Und jetzt ist sie wieder da; die Realität.« Sie lachte auf. »Scheiß drauf. Die kommt immer wieder. Was hat sie dir denn nun aufgetragen, du Wunscherfüller.« »Das ist wirklich ein ziemlich blöder Begriff.« »War nicht so gemeint. Red schon. Was will sie genau und wie gehst du es an?« »Sie will eine Art Neustart, denke ich. Und dafür muss es eben ein neuer Mensch sein. Ihre Präferenzen, was Frauen betrifft, kenne ich ja. Aber mal ehrlich. Das macht es auch nicht einfacher.« Stefanie lachte. »Ich weiß. Sie ist da sehr eigen und vermutlich wird sie einige Vorschläge schon aus Prinzip ablehnen. Da musst du jetzt durch.« Johnny nickte. »Ich helf dir.« »Wie meinst du das?« »Ganz einfach. Ich helfe dir, eine passende Person zu finden und wir haben einen Deal.« Johnny spürte, wie sich eine imaginäre Kette um seinen Hals legte. »Was für einen Deal? Was meinst du?« »Es ist doch ganz einfach. Wir matchen unsere Bedürfnisse. Marie möchte eine Spielgefährtin, die besser zu dir passt als Ella und die ich nie sein werde. Soll sie haben. Ich will, dass wir es weiter treiben. Das soll ich haben. Du willst Marie und mich auch. Sollst du haben. Wo ist das Problem?« Johnny dachte nach und fand keins. »Und wenn Marie ...« »Der ist es völlig egal, solange ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Das weißt du ganz genau. Also konstruiere kein Problem, wo keins ist. Lass uns Profile erstellen. Ich informiere dich, wenn was geht.« Stefanie ging wieder zum Sekretär, auf dem ihr Laptop stand, griff ihn und kam zurück. »Gib mir mal die Decke. Es wird zu kühl.« Johnny zog sie über sie Beide und Stefanie startete den Rechner. »Jetzt geht's ab.« Sie lachte. »Ey komm. Spielzeugjagd. Das wird gut.« Johnny lehnte sich zurück. Im Grunde, dachte er bei sich, hätte es garnicht besser laufen können.